zur Navigation Inhalt überspringen Bergwoche Nockalm / Kärnten (Innerkrems) - 11. bis 18. Juli 1987

Am Nachmittag des 11. Juli trafen wir, eine bunt zusammengewürfelte Gruppe aus den verschiedensten Bundesländern und verschiedensten Alters, am Bahnhof in Spittal ein. Von Familie Fritz, bei der wir in den folgenden 7 Tagen einquartiert waren, wurden wir mit dem Auto nach Innerkrems gebracht.

Die Fritz gaben sich als sehr, sehr nette und zuvorkommende Gastfamilie zu erkennen. Herr Fritz begleitete uns an manchen Tagen, bewaffnet mit seiner Kamera, auf unseren Touren, und Frau Fritz wartete uns mit ihrer ausgezeichneten Kost auf, wenn wir ermüdet von unseren ausgeprägten Wanderungen heimkehrten.

Unsere Wanderungen führten quer durch die Nockalm, welche sicherlich eine der interessantesten und abwechslungsreichsten Gegenden Kärntens ist und so jeden einzelnen Tag für uns zum Erlebnis machte.

Gleich am ersten Tag ging's zur Gaipahöhe und von dort zum Anderl-See, einem wunderschönen Gebirgssee, bei dem wir ausgiebig rasteten.
Am zweiten Tag bestiegen wir die Hohe Pressing, die höchste Erhebung des Nationalparks Nockalm.

Die Tour zum Königsstuhl, die gleichzeitig der Höhepunkt der Bergwoche war, möchte ich genauer beschreiben, da kaum eine unserer Wanderungen schon am Vortag so ausführlich besprochen und in den Tagen danach so oft schmunzelnd zitiert wurde.
Wir teilten uns an diesem Tag in 2 Gruppen, da Walter, unser Leiter, für den Höhepunkt eine Mammutstour geplant hatte, und sich einige von uns nicht in der Lage sahen, an der gesamten Wanderung teilzunehmen. Während die einen bereits um 7:00 Uhr starteten, um bis zu Mittag den letzten Gipfel der 6 Nocken, den Königsstuhl, der die Grenze zwischen Kärnten, der Steiermark und Salzburg bildet, erklommen zu haben, frühstückten die anderen gemütlich und fuhren um 9:30 Uhr mit dem Sessellift bis zum Fuße des Königsstuhls.
Am Gipfel trafen dann beide Gruppen zusammen und rasteten gemeinsam. Die einen brachen die Rast jedoch wesentlich früher ab, um noch zum Karlbad zu gehen, von dem aus es dann ja nur mehr 12 km bis Innerkrems sind. Beim Karlbad wurde die Gruppe jedoch (das einzige Mal während der gesamten Bergwoche) vom Regen überrascht und so gezwungen, länger in der urgemütlichen Stube des alten Bades zu verweilen. Keiner der Gruppe ging schließlich die gesamten 12 km nach Hause. Sie beschlossen, stattdessen eine recht beliebte und bewährte Abkürzung zu nehmen ...

Zum Abschlußabend luden wir uns den Lukashansl, ein Kärntner Unikum, ein. Lukashansl spielte auf seiner Zieharmonika und Flawi, unser Mao, führte uns seinen Hexentanz vor. Der Abend verlief recht lustig und wir dachten an die gemeinsamen Erlebnisse dieser schönen und kurzen Zeit. Da wir nur eine kleine Gruppe waren, hatten wir uns ja relativ gut kennengelernt.

Die Bergwoche hat meine Erfahrung verstärkt, daß blinde Menschen nichts so sehr wie die volle Integration in die Gemeinschaft und nichts so wenig wie Mitleid brauchen. Die Woche in Innerkrems hat mir nicht nur wichtige Erfahrungen und schöne Erlebnisse geschenkt, sondern auch meine Lachmuskeln gestärkt. Es tut so gut, blinde Menschen kennenzulernen, die soviel Lebensfreude und Begeisterung ausstrahlen und die sich, trotz allem, Humor bewahrt haben. Es stimmt, was Antoine de Saint Exupéry sagt:
Man sieht nur mit dem Herzen gut,
das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Maria Iwan, Frauenkirchen (sehend)