zur Navigation Inhalt überspringen Briefe, Gedichte und Sprüche 1999

Heft-Titelgrafik: Händereichen
Heft-Titelgrafik: Händereichen


Steine

Nimm einen Stein in die Hand, fühle ihn -
er ist hart, hart wie die Herzen der Menschen, hart wie Stein.
Umschließe ihn mit der Hand, erwärme ihn, den kalten Stein.
Nur wenn du ihn umfasst, ihn mit einer Hand umgibst,
nimmt er Wärme an, wie ein kaltes Herz.
Begreife ihn mit deinen Fingern:
Nur wenn du ihn begreifst, wirst du dich mit ihm befreunden.
Fühle über seine Fläche, die glatte, an der alles herunterperlt,
die kantige, die dir weh tat und dich verletzen kann -
deine Empfindlichkeit, dein Fingerspitzengefühl, deine Haut,
die dich schützt.
So wird er ein Teil von dir -
denn du bist oft selber - steinhart und kalt und aalglatt und gefühllos,
kantig, scharf und verletzend.
Nur wenn einer kommt und die Hand um dich legt,
wandelt deine Kälte sich um in Warme.
Nur wenn einer kommt und dich umfasst,
wird die stumme Kälte sich auflösen und Steine werden reden.
Nur wenn einer kommt und sich deiner annimmt,
wirst du nicht mehr "zum Steine-erweichen" zum Himmel schreien.
Nur wenn einer kommt und dich aufnimmt,
wird niemand mehr über dich stolpern.
Nur wenn einer kommt und dich anrührt,
wird aus Steinen klares Wasser fließen -
die Durstigen werden ihre Sehnsucht stillen.


Abtsdorf, im Oktober 1999

Liebe Freunde!

"Freude und Dank" ist vielseitig aufgeklungen bei unseren Freizeitwochen. Freude und Dank über das, was wir erlebt und erfahren haben bei unseren Freizeiten in diesem Jahr. Freude und Dank auch wieder hier in einer so intensiven internationalen Gemeinschaft miteinander bis hin zu unserem Planen für die Freizeiten 2000.
Freilich sind wir uns da alle einig, dass das Beschenken das Leben frei und freudvoll macht. Das wird immer unser Fundament und innerstes Erleben auf seine Erfüllung hin bleiben.
Eine Spur will ich hier in diesem meinem kurzen Brief-bei-euch-sein aufnehmen, das dem Schenken einen eigenen wichtigen Akzent für ein erfülltes Leben im Geben und Nehmen gibt.

"Versagen ist, wo Leben behindert wird - Wohltun ist, wo Leben entfaltet wird" -
so sagte jemand.
Eine tiefe Lebensfreude und Bestätigung von dir ist es, wenn jemand an dich glaubt,
dich als Lebensgeschenk sieht, deine Gaben und deine Fähigkeiten anerkennt, dein Kostbarsein und dein Wertvolles schätzt.
Ja, diesen Weg gibt es mitten unter uns in Familie und Freundschaft. Einer sagte hier
in Abtsdorf:
"Diese Gemeinschaft ist für mich wie eine Familie. Das schließt mich auf,
das führt mich immer wieder her." Ganz als Mensch kann er sich dabei geben -
mit seinen vielen Gaben.
Das soll mit den Augen des Herzens unser Sehen und unser Ziel sein:
den Schatz der Seinen zu verlebendigen.
Unsere Aufgabe bleibt dies: in Treue das ganze Leben so Partner zu werden -
jeden Tag neu -
in innerster Aufmerksamkeit füreinander, dass das Aufkeimen, Erblühen und
Frucht-bringen wunderbares Leben möglich macht.
Ich wünsche euch dies, liebe Freunde, und auch unsere Gemeinschaft der Blindenfreizeiten verlebendige, vertiefe und stärke euch darin. Und das bleibt nicht nur ein Wunsch, das wird immer neu eine gute und schöne Wirklichkeit. Das gibt mir Hoffnung. Da möchte ich zu euch dazugehören.

euer Pater Wilfried


Mit jedem Schritt, den du tust, und in jeder Begegnung, die dir geschenkt wird,
hinterlässt du Spuren.
Keine deiner Entscheidungen, keines deiner Worte, keine deiner Gesten
kann je ungeschehen gemacht werden.
Ich wünsche dir, dass du Spuren der Freude hinterlässt und des Glücks,
Spuren der Hoffnung und der Liebe, Spuren der Gerechtigkeit und des Friedens,
und dass du da, wo du anderen weh getan hast, Vergebung erfährst.

aus: Christa Spilling-Nöker, Der Himmel ist in dir. Segensworte,
© Verlag am Eschbach der Schwabenverlag AG, Eschbach / Markgräflerland, 12. Auflage 2003


Jedes Glück hat seinen Abend.
Da versinkt es sonnengleich im Meer.
Eine Weile noch
erhellt sein Widerschein den Horizont des Herzens.
Dann löscht die Nacht es aus, und du weißt,
dass es so nie mehr zurückkehren wird.
Bleiben wird einzig die Sehnsucht.
Aber dies, dass es war, wer kann dir's nehmen?

aus: Antje Sabine Naegeli, ,
© Verlag am Eschbach der Schwabenverlag AG, Eschbach / Markgräflerland, . Auflage


Die Tatsache, dass man von Freunden längere Zeit nichts weiß, kann sie einem nicht
wegnehmen oder das Wesentliche einer Begegnung nicht auslöschen.
Sie waren bei uns und sie bleiben in uns, denn sie sind eingegangen in
unser Leben wie wir in ihres.

Herbert Tiehy


Hoffen heißt "Wolken fangen" und sie ziehen lassen, wissend, dass sie dem entgegeneilen,
der alles erneuern wird, der uns Menschen auf Hoffnung hin angelegt hat.

Adalbert Ludwig Balling


Ich bin ein FELSEN.
Ich habe Leben und Tod gesehen. Ich habe Glück erfahren, Sorge und Schmerz.
Ich lebe ein Felsenleben.
Ich bin ein Teil unserer Mutter, der Erde. Ich habe ihr Herz an meinem schlagen gefühlt.
Ich habe ihren Schmerz gefühlt und ihre Freude. Ich lebe ein Felsenleben.
Ich bin ein Teil unseres Vaters, des Großen Geheimnisses.
Ich habe seinen Kummer gefühlt und seine Weisheit.
Ich habe seine Geschöpfe gesehen, meine Brüder und Schwestern, die Tiere, die Vögel,
die redenden Flüsse und Windedie Bäume,
alles, was auf der Erde und alles, was im Universum ist.
Ich bin mit den Sternen verwandt.
Ich kann sprechen, wenn du zu mir sprichst. Ich werde zuhören, wenn du redest.
Ich kann dir helfen, wenn du Hilfe brauchst.
Aber verletze mich nicht, denn ich kannfühlen wie du.
Ich habe Kraft zu heilen, aber du wirst sie erst suchen müssen.
Vielleicht denkst du, ich bin nur ein Felsen, der in der Stille daliegt auffeuchtem Grund.
Aber das bin ich nicht.
Ich bin ein Teil des Lebens, ich lebe,
ich helfe denen, die mich achten.

Cesspooch, 1973


Unfassbar, was das Leben uns antut!
Unfassbar, was das Leben uns schenkt!
Mitten in diesem Widerspruch wohne ich.

aus: Antje Sabine Naegeli, ,
© Verlag am Eschbach der Schwabenverlag AG, Eschbach / Markgräflerland, . Auflage


Ich wünsche dir einen Himmel voller Sterne:
Sterne, die glänzen, wenn du glücklich bist
Sterne, die dir den Weg zeigen, wenn du nicht mehr weiter weißt
Sterne, die leuchten, wenn es dunkel ist
Sterne, nach denen du greifen kannst, wenn du fröhlich bist
Sterne, die Menschen dir holen, wenn sie dich erfreuen wollen
Sterne, die aus dir strahlen, wenn du anderen gut bist
Ich wünsche dir einen Himmel voller Sterne - heute und an jedem Tag deines Lebens.

Christa Carina Kokol


Eine Hand, die stets da ist

Ich wünsch dir eine Hand, die die deine ergreift
und mit dir durch Wälder und Wiesen streift,
eine Hand, die dich streichelt, eine Hand die dich liebt,
eine Hand die viel weniger nimmt als sie gibt.

Ich wünsch dir eine Hand, die die deine hält
und die dich begleitet durch Leben und Welt,
eine Hand, die dir hilft übers Wasser zu gehn
und überall noch einen Weg zu sehn.

Ich wünsch dir eine Hand, die die deine erfasst
und die dich geleitet durch Mühsal und Hast,
eine Hand, die dich tröstet, eine Hand, die dich hält,
bevor deine Seele in Untiefen fällt.

Ich wünsch dir eine Hand, die dich immer begleitet,
eine Hand, die dir Kraft gibt und die mit dir streitet,
eine Hand für den Frieden, eine Hand mit einem Licht,
eine Hand, die stets da ist. Und dann fürchte dich nicht!

Dori Bauer



Und dass diese Hand in unseren Wochen, in unserem täglichen Leben immer wieder ein bisschen spürbar und erfahrbar wird, das wünsche ich uns allen!