zur Navigation Inhalt überspringen Kultur-Wanderwoche im Salzkammergut - Zwischen Kaiservilla und dem Mann im Salz - 2007

"Wie aus der Ferne längst vergangener Zeiten" (wie es bei Richard Wagner im "Fliegenden Holländer"heißt) trat er vor uns hin - aus den Tiefen des Berges geheimnisvoll auftauchend, eine mythische Figur. Plötzlich stand er vor uns, mit großer Geste keltische (?) Beschwörungsformeln in den unterirdischen Raum sprechend, ehe er zum oberösterreichischen Dialekt überging und wir verstanden, dass es sich um Segenssprüche handelte. Eine Dankesbezeugung an die große Gottesgabe, das Salz, folgte, als wir rund um mysteriös beleuchtete riesige Salzkristalle standen und nach seinen Anweisungen dieses feuchte und seltsam belebende Geschenk der Erde abtasten und in die Arme nehmen durften.
Dass hier die gesündeste Luft herrsche, wurden wir belehrt, und dass die Bergleute das ganze Jahr da unten zubringen, im Sommer vor Hitze, im Winter vor grimmiger Kälte, im Krieg vor feindlichen Angriffen geschützt. Der "Mann im Salz" - er heisst Gerhard Schilcher und ist ein überaus begabter Laienschauspieler - erzählte die Geschichte des Hallstätter Salzberges seit 8000 Jahren, als wäre es seine eigene.
"Ich" oder "wir" hieß es da bei allen Erlebnissen, die Jahrhunderte zurückliegen mochten: die Geschichte vom Reichtum, den diese unterirdischen Stollen und die Gewinnung und Beförderung des großen Schatzes für die Bevölkerung der Region bedeutete, vom Familienleben, das sich zu einem großen Teil bei der Arbeit im Berg abspielte, von den schwangeren Frauen, den Kindern und den Alten, die "draußen" blieben, um den Kontakt zur Oberwelt und den Handelspartnern aufrecht zu erhalten, von Tragödien im privaten Bereich, in hochdramatischer Weise von einem Bergsturz, der die Existenz der Menschen nahezu auslöschte, vom Zusammenhalt der Salzgemeinschaft und dem unendlichen Glück, wenn sie eine neue Salzader fanden, die ihre Zukunft sicherte.
Wir folgten dem kompetenten Führer über die Rutsche in die Tiefe, durch gut gesicherte Stollen unterschiedlicher Größe und Beschaffenheit, sahen sein Spiegelbild - mit den langen weißen Haaren ebenso gruselig wie anheimelnd - im großen Salzsee und bewunderten die emotionelle Kraft des Erzählers, der uns "sein" Leben in einem Ausmaß nahe brachte, dass wir uns als Teil davon fühlten.
Seltsam neu belebt und erfrischt entstiegen wir dem Salzbergwerk, uns sehr wohl dessen bewusst, dass es außer Bergen, Seen und Wanderwegen im Salzkammergut, dem das "weiße Gold" seinen Namen gab, noch eine tiefere Dimension gibt, die der Außenstehende nicht einmal ahnen kann, ehe er in sie eingedrungen ist.

Sieglinde Pf., sehend