zur Navigation Inhalt überspringen Briefe, Gedichte und Sprüche 2010

Die ganze Schöpfung ist die Schönschrift Gottes.

Ausspruch von Ernesto Cardenal


Grußworte unseres Seelsorgers Pfarrer Franz

Liebe Freunde!
Eines der Zeichen, das uns auf unseren Wanderungen immer wieder begegnet, ist das Kreuzzeichen. Ob wir eine Wanderung durch ein ebenes Land machen, oder ob eine Wanderung ins Hügelland führt: immer wieder kommen wir an Kapellen, Bildstöcken oder Wegkreuzen vorbei. Oder bei Bergtouren: Am Gipfel ist meistens - weithin sichtbar - ein Kreuz aufgerichtet. Wir werden dabei immer an den erinnert, der am Kreuz aus Liebe für uns das Leben dahingegeben hat.
In der Gemeinschaft der Blinden haben wir ein Zeichen, das uns miteinander verbindet: es ist das Blindenfreizeiten-Kreuz mit dem Edelweiß. Es drückt unsere Verbundenheit und Zusammengehörigkeit aus.
In diesem Jahr wurde im Rofan ein Gedenkkreuz errichtet, das uns an unseren geschätzten und von uns allen geliebten Pater Wilfried Lutz erinnert. Leider konnte ich bei der Einweihung nicht dabei sein.
Das Kreuz erinnert uns einerseits an Jesus Christus und zugleich macht es uns bewusst, dass wir das Kreuz in unserem eigenen Leben wieder finden können. "Kreuz" ist Symbol für all das, was in unserem Leben mühsam ist. Für alles Leidvolle, das wir vorfinden. Für Krankheit und Schmerz. Für Enttäuschungen und die Erfahrung von Grenzen - etwa durch eine Behinderung. Für das Durchkreuzt-Werden unserer Pläne und Lebensentwürfe. Für jeden Mangel an Liebe und Zuwendung, den wir in unserem Leben erfahren.
Wir nennen den, der den Tod am Kreuz für uns gestorben ist, unseren Herrn. Daher wird im Blick auf ihn deutlich, wie wir als Christen mit all diesen negativen Dingen umgehen können: mit Leid, Enttäuschungen, den Mängeln, die wir erleiden, also mit allen negativen Dingen, die wir im Leben nicht vermeiden können. Das Kreuz vermittelt uns eine Botschaft. Diese lautet für mich: Du brauchst das Negative in deinem Leben nicht auszuklammern. Du kannst die schweren und harten Dinge im Leben annehmen, und es gibt einen Weg, der durch all das Dunkle hindurch zur Freude und zu einem erfüllten Leben führt. Du darfst dich auf deinem Lebensweg mit Maria eins wissen, die unter dem Kreuz gestanden ist und die durch das Leid nicht verbittert wurde, sondern in ihrem Glauben gereift ist. Du darfst dich ein Stück weit mit dem Apostel Paulus identifizieren, der eine ganze Reihe von negativen Erfahrungen aufzählen kann, der aber den Durchblick bewahrt hat und zum Ausdruck bringen kann: "Wir haben nichts, und haben doch alles" (2. Brief an die Korinther, Kapitel 6, Zeile 10). Und du darfst dich mit Jesus verbunden fühlen, der in seinem Tod am Kreuz alles Negative auf sich genommen hat, um in der Dunkelheit des Negativen das Licht der Auferstehung aufleuchten zu lassen.
So wünsche ich uns, dass uns das Kreuz Zeichen der Hoffnung sei - ob wir auf unseren Wegen an einem Kreuz vorbeikommen, oder ob wir das Gedenkkreuz im Rofan betrachten oder betasten, oder auch das Kreuz mit dem Edelweiß. Dann können wir wirklich unser Leben annehmen wie es ist, auch mit all den dunklen und schwierigen Seiten. Und es wird das Licht der Hoffnung und der Freude über unserem Leben leuchten.
Ich wünsche jedenfalls diese Erfahrung einem jeden von uns.

Euer Franz Lindorfer, Blindenseelsorger


40 Jahre Blindenfreizeiten!

Die Blindenfreizeiten wurden 1971 von Pater Wilfried Lutz, einem Kamillianerpater und gebürtigen Tiroler, in Oberösterreich ins Leben gerufen. Für blinde und sehbehinderte Menschen gab es damals noch keine Möglichkeit, eigenständig, jedoch mit Hilfe, Berge zu besteigen.
Die erste Freizeit fand auf der Wurzeralm statt, in einem einfachen Quartier, wie wir es uns heute nicht mehr vorstellen können (WC außerhalb der Hütte, ebenso Wasser, kein Strom). Und doch erzählten und erzählen alle begeistert von diesen Anfängen. Als Begleitung organisierte Pater Wilfried Krankenschwestern aus Linz (er war Krankenhausseelsorger), Mitglieder der Diözesansportgemeinschaft und Bekannte.
Für Pater Wilfried war wichtig: Freude an der Natur, an den Bergen, Freude an der Gemeinschaft, aber auch körperliche Eignung. Jede/r sollte in seiner/ihrer Eigenart, seiner religiösen Einstellung angenommen und willkommen sein. Das versuchen wir bis heute bei unseren Wochen zu leben.
Pater Wilfried im Bergheft 1972 wörtlich: "Nicht Höhenrekord ist unser Ziel und für uns maßgebend, sondern das Hineinwachsen in die Bergwelt und Emporwachsen an den Bergen, das Verweilen in der Naturschönheit, das Ertasten der Blumen, das Hören des Wasserfalls, der Vögel, das Pfeifen der Murmeltiere, das Läuten der Glocken, ..."
In den ersten Jahren waren es vor allem Bergwochen, danach kamen Tandem- und erst später die Langlaufwochen, Kultur- und Wanderwochen dazu.
Damit sich alle eine Woche leisten konnten, wurde darauf geschaut, dass diese möglichst günstig waren. Auch für die sehenden Begleitpersonen sollte es Urlaub sein, sie bezahlten und bezahlen ihren Beitrag genauso wie die blinden BergkameradInnen. So entsteht keine Abhängigkeit, jede/r ist gleich"wertig".
1976 begannen die Lions in Reutte unter Dr. Reinhold Wolf, nach dem Vorbild der Blindenfreizeitwochen mit Blinden und Sehbehinderten bergzusteigen und zu klettern. Die erste Blindenbergwoche fand auf der Ehrwalder Alm und Wettersteinhütte statt. Die Wochenenden um Christi Himmelfahrt sind immer noch ein fixer Bestandteil.
Zum Zeichen für die Gemeinschaft der Blindenfreizeiten wurde das Bergkreuz, ein Silberkreuz mit einem Edelweiß in der Mitte, das für eine dreimalige Teilnahme bei den Wochen für Blinde und Sehende verliehen wird.
Die Organisation übernahm zuerst Sr. Christiane, als die Angebote umfangreicher wurden, die Diözese Linz. Seit 1997 laufen die Wochen unter "Blindenfreizeiten P. Lutz" über Christl Raggl in Imst. Sie erhalten sich weitestgehend selbst durch Spenden, einen Verwaltungsbeitrag und geringfügige Subventionen.
"Unser" Pater Wilfried verstarb im November 2008, doch "seine" Wochen leben weiter.
Am 31. Juli 2010 wurde im Rofan vom Provinzoberen der Kamillianer, Pater Gregotsch, ein Gedenkkreuz eingeweiht. Anton, Pater Wilfrieds Bruder, gestaltete und schmiedete dieses. Es ist unserem Bergkreuzerl nachempfunden. Das Kreuz steht unterhalb der Erfurter Hütte beim Speichersee. Ca. 70 Personen nahmen an der feierlichen Messe teil.
Im Folgenden der Text beim Gedenkkreuz und ein Foto (siehe auch Archiv-eigene SeiteKreuzeinweihung).

eingeweihtes Gedenkkreuz  

Ich wünsche dir,
dass du die schönen
Augenblicke und Begegnungen,
die dir im Laufe dieses Jahres
geschenkt werden,
von ganzem Herzen
genießen kannst.

Mögen sich diesen hellen Momente
zu einer Lichtbrücke zusammenfügen,
um dich über dunkle Erfahrungen
hinweg zu tragen,
damit dir das Liebenswerte
in Erinnerung bleibt.


Lass dich in deinem Leben begleiten, aber nicht bestimmen,
lass dir Flügel wachsen, ohne den Boden zu verlieren,
lass dich in Gottes Hand geborgen sein und reiche dem Nächsten die Hand.

Christa Carina Kokol


Über Vergangenes mach dir keine Sorgen, dem Kommenden wende dich zu.

Tseng-Kuang


Verabschiede dich alltäglich von der einseitigen Vorstellung,
das Leben im Griff zu haben. Es ist ewig im Fluss.

Pierre Stutz, Du wirst ein Segen sein, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2003


Was der Sonnenschein für die Blumen ist, das sind lachende Gesichter für die Menschen.

Joseph Addison


Vertrauen ist eine Oase im Herzen, die von der Karawane des Denkens nie erreicht wird.

Khalil Gibran


Wer andere am eigenen Glücksgefühl teilhaben lässt, schafft neues Glück.

S. Werginz


Seine Freude in der Freude des anderen finden, das ist das Geheimnis des Glücks.

Georges Bernanos


Wer seinen Wert in sich entdeckt, lässt auch dem anderen seinen Wert
und kann sich daran freuen.

Anselm Grün


Wenn wir uns von der Vorstellung lösen, es müsste alles so weitergehen wie bisher, dann laden uns plötzlich tausend neue Möglichkeiten zu neuem Leben ein.

Jochen Mariss


Das Suchen und der Weg sind wichtiger, als dass man wirklich etwas findet.

Sir Yehudi Menuhin


Wir dürfen dem Leben vertrauen, auch wenn wir immer nur diesen Moment haben.
Vertrauen wir dem nächsten Moment, weil in ihm die Welt neu beginnt.
Lernen wir aus dem Gewesenen, und es kann uns gelingen,
das Kommende so zu gestalten, dass wir uns in ihm wohlfühlen.



Das bist du ...
Du bist wie einer der drei Weisen, der immer neu aufbricht,
auch wenn andere sagen, das hat keinen Sinn.
Du bist wie einer der drei Weisen, der immer wieder umkehrt,
auch wenn andere sagen, der weiß nicht, was er will.
Du bist wie einer der drei Weisen, der vom hohen Ross herabsteigt,
auch wenn andere sagen, so wird er es nie zu etwas bringen.
Du bist wie einer der drei Weisen, der Gott im Menschen findet,
auch wenn andere sagen, mach dir nicht die Hände schmutzig.
Du bist wie einer der drei Weisen, der einem Stern folgt
und mit beiden Beinen auf der Erde steht.
Das bist du.

Christa Carina Kokol



Leben lernen ...
Von der Sonne lernen zu wärmen, von den Wolken lernen leicht zu schweben,
vom Wind lernen Anstöße zu geben, von den Bäumen lernen standhaft zu sein.
Von den Blumen das Leuchten lernen, von den Steinen das Bleiben lernen,
im Frühling Erneuerung lernen, im Herbst das Fallenlassen lernen,
vom Sturm die Leidenschaft lernen.
Vom Regen lernen sich zu verströmen, von der Erde lernen mütterlich zu sein,
vom Mond lernen sich zu verändern, von den Sternen lernen einer von vielen zu sein.
Von den Jahreszeiten lernen, dass das Leben immer wieder neu beginnt.

nach Ute Latendorf


Welche Schwelle du auch übertrittst, es möge jemand da sein, der dich willkommen heißt!


Das Leben eines anderen Menschen zu teilen, Anteil zu nehmen, was ihn betrifft,
an Freuden und Leiden, ist Gabe und Glück.

Edith Stein, Karmelitin



Wir wollen aufstehen, aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander umzugehen - und uns nicht entfernen, wenn wir etwas nicht verstehen.
Viel zu lang schon nur gelegen, viel zu viel schon diskutiert.
Es wird Zeit sich zu bewegen, höchste Zeit, dass was passiert.
Jeder hat was einzubringen, diese Vielfalt - wunderbar.
Neue Lieder woll'n wir singen, neue Texte laut und klar.
Dass aus Fremden Nachbarn werden, das geschieht nicht von allein - dass aus Nachbarn Freunde werden, dafür setzen wir uns ein.

vorgetragen von Leni bei der Archiv-eigene SeiteImst-Woche


Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer die Trennung.
Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude.
Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel,
sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.

Dietrich Bonhoeffer



Ich wünsche mir einen Engel ...
Ich wünsche mir einen Engel, der in meinen Augen liest,
wer und wie ich wirklich bin und dass der äußere Schein oft trügt.
Ich wünsche mir einen Engel, der meine Worte versteht,
gerade so, wie sie gemeint sind, und der selbst Ungesagtes hört.
Ich wünsche mir einen Engel, der mich - trotz allem -
für liebenswert und genießbar hält und auch Geschmack an mir findet.
Ich wünsche mir einen Engel, der sich in meiner Nähe wohlfühlt
und mich die Freude des Himmels erahnen lässt.
Ich wünsche mir einen Engel, der mich an der Hand nimmt,
auch wenn ich tastend keinen Schritt mehr vorwärts wage.
Ich wünsche mir einen Engel, der den sechsten Sinn in mir weckt,
um zu erkennen, dass es unendlich mehr gibt als ich begreifen kann.
Ich wünsche mir einen Engel, der auch meinen Namen trägt,
der das Leben ... die Menschen mit seinem Flügelschlag berührt
und dadurch glücklicher macht.
Ich wünsche mir einen Engel ...

Christa Carina Kokol


Mit diesem Text wünsche ich uns, dass der eine oder andere Engel aus unseren Wochen uns auch in unserem Alltag begleitet, dass wir Licht, Wärme und Zuwendung immer wieder spüren dürfen! Viel Gutes und Gottes Segen - bis zum nächsten Jahr!

Ein herzliches Danke allen, die mitgeholfen haben, dass unsere Wochen wieder als Wochen der Begegnung, der Freude und des Miteinander erlebt werden konnten! Auf eine weitere gute Zusammenarbeit freut sich

Eure Christl


Der Tod ist das Tor zum Licht am Ende eines mühsam gewordenen Lebens.

Franz von Assisi


In Dankbarkeit und Liebe denken wir an Robert Horngacher, Michaela Reichart und Ingrid Schedler, die durch dieses Tor in Gottes Licht, in Seine Freude und in Seinen Frieden heimgegangen sind.


Eine Blüte

Es war eine herrliche Blüte, wunderschön anzusehen.
Sie liebte das Leben, die Sonne, die Schönheit dieser Welt
und bemerkte dabei nicht,
dass der Boden unter ihr immer trockener wurde
und sie mit der Zeit sogar zu verdursten drohte.
Da kam eines Tages ein großer schwarzer Vogel
und begann an ihren Blütenblättern zu zausen und zu zerren.
Das tat weh und behagte der herrlichen Blüte nicht im Geringsten.
Sie wehrte sich verzweifelt,
während ihre Tränen als Tautropfen in die Erde fielen.
Und siehe da, der Boden unter ihr wurde feucht,
sie bekam neue Kraft und Freude für das Leben
und wurde so auch Lebenssprenderin für jene Blüten,
die ihr zur Seite standen.

Christa Carina Kokol