zur Navigation Inhalt überspringen Bergsteigen in Altmünster im Salzkammergut vom 09. bis 16. September 2017

Meine letzte Blindenbergwoche lag mehr als 30 Jahre zurück, deshalb fuhr ich mit einem leicht unsicheren Gefühl nach Altmünster. Unsere Woche begann am Samstagabend mit dem gemeinsamen Abendessen und einer anschließenden Vorstellrunde.

Der erste Tag war leider ein ausgesprochener Regentag. Aber wir ließen uns nicht davon abhalten, unseren Berg - den Vormauerstein - zu erklimmen. Beim Abstieg beschloss ich, mir gleich am nächsten Tag einen Schirm zu kaufen, um nicht mehr die unangenehme Kapuze tragen zu müssen. Das sollte sich später als gute Entscheidung herausstellen, denn wir brauchten den Schirm noch öfter in dieser Woche.

Montag früh hatten wir Besuch vom Fernsehen (ORF) - Franz hatte uns das am Vorabend schon angekündigt.

Beim Weggehen in Lauffen begleiteten uns ein Kameramann und ein Reporter die ersten Höhenmeter bis zum Lauffener Schießstand. Da hatten wir unseren täglichen Beginn mit Kreis und Morgengedanken. Anschließend wurden noch einige Interviews gemacht, und wir verabschiedeten dann die Fernsehleute und machten uns auf den Weg auf die Katrin - genaugenommen auf den Feuerkogel bei der Katrin.

Beim Abstieg war ich die halbe Strecke Begleiterin für Rainer und ich freute mich, dass ich in der langen Pause nicht verlernt hatte, den Weg für einen Blinden gut vorzusteigen.

Nun war ich sehr zuversichtlich alle Touren in dieser Woche mitgehen zu können.

Vom Wetter her hatten wir eine sehr abwechslungsreiche Woche: von Nieseln über Regen und Schönwetter kam alles vor. Am Donnerstag hatten wir sogar Sturm, der uns sehr schnell überraschte. Nach einem wunderbar sonnigen Aufstieg und einer ausgedehnten Gipfelrast auf der Geißwand kam die Kaltfront etwas zu schnell für uns und wir stiegen in Nebel, starkem Wind und Regen ab. Aber wir kamen alle unversehrt und müde zum Ausgangspunkt zurück.

Am Schönsten war für mich die Tour am Mittwoch. Das Wetter war prächtig und die Aussicht auf dem fast 2000 m hohen Sarstein überwältigend. In jeder Richtung Bergspitzen von Traunstein über Tennengebirge, Hochkönig, Dachstein, Loser, usw. Außerdem war ich ganz stolz, dass ich die 1230 Höhenmeter geschafft hatte.

Am letzten Tag gingen wir von der Rettenbachalm aus auf den Gamskogel. Wir nannten ihn "Gatschkogel", weil es durch den starken Regen am Vortag beim Aufstieg sehr nass und teilweise gatschig war.

Am Abend ging es dann noch recht lustig zu. Hubert aus Ebensee hatte ein paar Musikerkollegen mitgebracht, die uns mit Gitarre, Bassgeige, Steirischer Harmonika und Schlagzeug zum Tanz aufspielten.

Diese Woche war sehr schön für mich. Ich bin dankbar für die vielen schönen Momente, z.B. die Begegnung mit Salamandern, den herrlichen Anblick der Berge, für die wunderbaren Farben von Moos, Laub und Blumen, für das Erleben der Gemeinschaft und die Rücksichtnahme aufeinander.

Meine Hochachtung gilt den Blinden und Sehbehinderten, die diese anspruchsvollen Touren so gut gemeistert haben.

Danke an Franz und Ursula, dass ihr diese Woche ermöglicht habt!

Roswitha P., sehend