zur Navigation Inhalt überspringen Tandemfahren in Tar / Istrien - 2012

[vollständiger] Reisebericht "Tandemfreizeit in Istrien"

Nach einer 5-stündigen Anreise von Baden bei Wien ausgehend haben wir Tar mittels Navi problemlos erreicht und wurden von Hans und Ines, unseren Wirtsleuten herzlich empfangen. Ein Spaziergang durch Tar, einem kleinen Ort mit liebevoll gepflegten Gärten und Häusern hat uns neugierig gemacht auf das, was uns in den nächsten Tagen erwartet. Inzwischen sind Ilse und Ulli von ihrer Tandemfahrt zurückgekommen und bei einem Glas Malvasier haben wir uns das Warten auf den Rest der Truppe verkürzt. Nachdem Hans und Armin eingetroffen sind, hat uns Timmi, der Sohn und Koch des Hauses mit Gemüsesuppe, ofenfrischen Hendl und gschmackigen Braterdäpfel von seinen Kochkünsten überzeugt. Nachdem auch Franz und Maria eingetroffen sind, war unsere Runde vollzählig.

Am nächsten Morgen wurden wir von Ulli mit dem "Wort zum Tag" eingestimmt und nach dem Frühstück mit selbstgebackenem Schwarz- und Weißbrot, Schinken und Streichwurst aus eigener Erzeugung, gehen wir einkaufen und notwendiger weise Euro in Kuna wechseln.

Aber jetzt geht's los! Alles auf die Räder! Ulli hat für die nächsten Tage wunderschöne Rundtouren ausgesucht. Vorbei an Weinbergen, Feldern, Olivenhainen, liebevoll angelegten Kleingärten, kleinen beschaulichen Dörfern auf geteerten und wenig befahrenen Nebenstraßen. Ich bin überrascht, von der Vielfalt der Landschaft und von der "roten" Erde. Während wir eine kurze Rast einlegen, erzählt uns Ulli von Kultur und Geschichte des Landes. Nachdem wir 64 km geradelt sind, haben wir uns eine Abkühlung im Meer verdient. Das Wasser ist rein, aber kalt und als Belohnung verwöhnt uns Manfred mit einer Strandmassage.

Den Abend verbringen wir zu Hause und sehen uns das Match Bayern München - Chelsea an - zum Leidwesen unserer bayrischen Mitfahrer. Als Revanche müssen wir uns Österreicher Witze von Armin gefallen lassen. Zum Beispiel: Warum essen die "Österreicher" keine Brezel? - Weil sie den Knopf nicht lösen können!! Ha, Ha

Heute ist Sonntag und Manfred überrascht uns mit einem wunderschönen, selbstgepflücktem Wiesenblumenstrauß. Nach einem reichhaltigem Frühstück, das noch mit dem mitgebrachten Honig von Franz aufgebessert wird, starten wir die nächste Tour Richtung Vizinada. Kurz entschlossen erklimmen wir einen kleinen Berg mit Gipfelkreuz und sind überwältigt von dem schönen Ausblick ins Mirnatal. Nach abermals 64 km radeln geht's jetzt ans "Eingemachte". Heute sind Ilse und Ulli nicht mehr zu halten - die Musik ruft zum Tanz!!!

Monika (eine Freundin von Ilse), verbringt ihren Urlaub mit dem Wohnmobil am Campingplatz, schließt sich uns gerne an und so starten drei tanzwütige Paare nach Poreč ins Hotel Zagreb. Ilse und Ulli sind dort bestens bekannt und begeistern uns und die Hotelgäste mit ihren Tanzkünsten. Einfach zauberhaft!!!

Für den nächsten Tag ist Regen angekündigt und so unternehmen wir einen Ausflug mit dem Auto nach Buzet, deren Altstadt hoch oben auf dem Berg thront. Sie wird auch die Stadt der Trüffel genannt. Anschließend besuchen wir Hum, die kleinste Stadt der Welt mit nur 18 Einwohnern und sie ist besonders durch die Glagoliter Schrift bekannt geworden. Danach fahren wir zu einem verlassenen Dorf namens Kotli am Oberlauf der Mirna. Die Häuser und die alte Mühle wurden von zurückkehrenden Bewohnern wieder restauriert. Diesen Ort mit dem sich durch den Fels fressenden, smaragdgrünen Wasser der Mirna fanden wir einstimmig schöner als das weltbekannte Städtchen.

Auf der Heimfahrt wurden wir von sintflutartigen Regenfällen doch ein wenig überrascht. Diesmal bleiben wir zu Hause und tanzen mit Timmi und Ines zu kroatischer Musik. Armin überraschte uns mit seinen tollen Rhythmen am Schlagzeug.

Dann ist der Hafen von Poreč unser Ziel. In einem Festzelt werden lokale Spezialitäten um einen Pauschalpreis von 50 Kuna angeboten. "Do mias ma hi". Leider haben wir Ulli's Anweisungen links-rechts verwechselt und somit unseren Guide verloren. Jetzt ist Erfindergeist gefragt, aber Hans und Manfred haben das souverän gemeistert. Nachdem wir das Buffet mehrmals umrundet haben, hat uns Manfred - als Tupfen auf dem i - noch mit Erdbeertörtchen verwöhnt. Kein Tag ohne Tanz - 2 Musiker spielen kroatische Musik - ein Stupser und Ulli ist mit seiner Truppe auf der Bühne. Ein radelnder Tanzclub, eine Gaudi für die Zuschauer.

Das Wetter ist heute nicht so berauschend und so besichtigen wir die Höhle Jama Baredina. Sie wurde vor etwa 40 Jahren entdeckt und ist erst 17 Jahre der Öffentlichkeit zugänglich. Armin durfte als Nichtsehender einige der Stalakiten und Stalagmiten befühlen. Am Nachmittag wandern wir noch 4 Stunden mit flottem Schritt die Bucht entlang Richtung Novigrad und die alte Straße nach Tar zurück. Am Abend schwingen wir wieder das Tanzbein im Hotel Zagreb. Verbrennen wir mehr Kalorien beim Tanzen oder beim Radfahren???

Überraschung!!! Heute gehe ich um 7 Uhr zum Bäcker und hole frische Weckerl, Mohn- und Nussstrudel. Das Wetter ist angenehm warm und der Frühstückstisch wird im Freien gedeckt. Manfred sorgt wieder für den Blumenschmuck. Alle freuen sich - die Überraschung ist gelungen!

Heute ist nur eine kleine Radtour angesagt, da wir auch Baden wollen. Abends ist eine Besichtigung der Altstadt in Poreč mit den schönen kleinen Gassen geplant. In einer Enoteka stimmen wir uns bei einem Glas Malvasier auf das Abendessen ein. Bei schmackhafter Zahnbrasse mit Erdäpfel und Spinat und als Abschluss noch Schokoladepalatschinken mit Schlagobers bereiten wir uns auf die Schifffahrt zur Insel Sveti Nicola vor. Wir tanzen in dem wunderschönen Hotel Fortuna vor staunendem Rentnerpublikum. Nach dem herrlichen Abend holt uns Hans mit dem Allroundtransporter vom Hafen ab.

Fast mit Wehmut begeben wir uns nach dem Frühstück auf die letzte Tour quer durch das westliche Istrien zum Limski Kanal. Dank der guten Routenführung von Ulli fahren wir nur wenige Kilometer auf der vielbefahrenen Landstraße. Das letzte Stück geht es in Schussfahrt hinab zum Kanal mit 6% Gefälle. Nach einer wohlverdienten Rast springen wir ins das kalte, glasklare Wasser. Danach müssen wir wieder die 6% hinauf. Heute haben sich unsere geradelten Kilometer auf 70 summiert mit fast 700 Höhenmetern. Abends zählen wir unsere gefahrenen Kilometer auf 320 mit fast 3.000 Höhenmetern zusammen.

Als Abschluss serviert uns der Wirt ein von Timmi köstlich zubereitetes Lamm und als Dessert noch Apfeltascherl mit Schlagobers. Manfred gibt uns noch Unterricht in Sirtaki und Line Dance.

Das letzte Frühstück genießen wir nochmals im Gastgarten und dann heißt es Abschied nehmen. Ilse, Ulli, Franz und Maria bleiben noch ein paar Tage und wünschen uns sowie auch Hans und Ines eine gute Heimreise.

Für mich war diese Woche eine große Bereicherung. Da ich noch nie mit Blinden in Kontakt gekommen bin, stellte sich für mich auch die Frage "Wie gehe ich mit Nichtsehenden um?" Ich war überrascht, mit wie viel Sicherheit sich Ilse und Armin in einer für sie unbekannten Umgebung zurecht gefunden haben. Mit Hans hat Armin einen hervorragenden Piloten gefunden, der ihm eindrucksvoll die Landschaft und alle Sehenswürdigkeiten geschildert hat. Ich finde es schade, dass nur ein blinder Teilnehmer diese Reise mitgemacht hat. Vier mögliche Piloten sind zur Verfügung gestanden, nachdem drei Anmeldungen von Blinden / Sehbehinderten storniert wurden. Ilse und Ulli haben für uns eine abwechslungsreiche und interessante Woche organisiert. Ich bin dankbar für diese Begegnung und auch dafür, die Dinge einmal "anders" zu sehen und wahrzunehmen.

Katharina, sehend