zur Navigation Inhalt überspringen Schiwoche - Langlauf in St. Martin am Tennengebirge / Salzburg - 2012

Wintersport in St. Martin -
Muskelkater nicht nur vom Sporteln

Gerade machen wir uns fertig, für einen neuen Tag auf der Loipe. Das Zimmer ist warm und hell vom Licht der Morgensonne. "Ich spür richtig meine Bauchmuskeln", sagt Elisabeth, meine Zimmergenossin.

"Du bist ja gestern mit Christian auch 30 km gelaufen."
"Das kommt nicht daher. Wir saßen gestern Abend noch lange unten und haben viel gesungen und viel gelacht."

In diesem kleinen Dialog kommt fast alles vor, was diese Woche so kostbar gemacht hat: Wir waren eine tolle Gemeinschaft und wir haben viel gesportelt.

Ich selber war das erste Mal dabei und seit fünf Jahren nicht mehr auf Langlaufskiern gestanden. Deshalb fand ich es klasse, dass jeder blinde/sehbehinderte Langläufer einen eigenen Begleitläufer hatte. Wenn ich zu schnell wurde oder unsicher wirkte, war Bernd sofort neben mir und gab mir Halt.

Ich habe nur noch einen sehr kleinen Sehrest, nicht mehr genug, um die Loipe zu erkennen. Von Tag zu Tag wurde ich sicherer auf den Skiern, ich fühlte die Weite um mich herum und die warme Märzsonne auf der Haut. Manchmal war ich ganz im Hier und Jetzt, kurzum ich war glücklich.

Am letzten Tag wollte ich das Schneeschuhlaufen ausprobieren. Das war ganz schön abenteuerlich: Wir mussten über einen Bach springen (spannend, wenn man nicht sieht, wie tief es runtergeht), über eine umgekippte Tanne klettern und unter einem anderen Baum hindurch kriechen - Natur pur!

Abends wurde viel musiziert, gesungen, gefeiert und getanzt.

Am Sonntag sind wir zusammen in die Kirche gegangen und waren anschließend beim Fastenessen. Jeden Morgen hielt eine oder einer von uns einen geistlichen Impuls und am Donnerstagabend feierten wir zusammen einen Wortgottesdienst.

Und was das Haus angeht: Einer der Teilnehmer sagte zu mir: "Wenn man herkommt, dann ist das wie nach Hause kommen oder wie bei Verwandten zu Besuch sein." So herzlich sind wir aufgenommen worden! Das Essen war sehr gut, die Zimmer gemütlich und in der Sauna und in der Massage von Sepp konnten wir uns verwöhnen lassen.
Für all dies ein herzliches Dankeschön an Petra und Georg!

Genauso danken möchte ich Adi und Lois, die die Langlaufrouten bzw. Schneeschuhwanderrouten vorbereitet haben. Und ich danke allen BegleitläuferInnenn, die es für uns Blinde und Sehbehinderte möglich machten, die schöne Natur vom Tennengebirge sportlich zu erkunden.

Ich glaube, dass wir alle, die wir dabei waren, gerne aneinander und an die Zeit in St. Martin zurückdenken. Denn jede und jeder von uns hat auf seine Weise dazu beigetragen, dass diese Woche so schön war.

Franzis C., fast blind (03.04.2012)