zur Navigation Inhalt überspringen Wandern im Fichtelgebirge / Bayern - Blindenfreizeit vom 26. Mai bis 2. Juni 2012

Da wir beide - Christina und ich - die Blindenfreizeiten Pater Lutz nicht kannten, waren wir neugierig, auf was wir uns da eingelassen hatten: Wanderfreizeit im Fichtelgebirge!

Nach einer weitgehend entspannten Autofahrt nach Bischofsgrün waren wir also da und wurden liebevoll empfangen im Gasthaus und Hotel Siebenstern, der Wahrzeichenblume des Fichtelgebirges.

Horst Zinnert mit seiner Frau Waltraut, unser blinder Bergführer, stellte uns nach einer Begrüßungs- und Vorstellrunde der 10 Teilnehmer die Touren vor und das war ein Feuerwerk an Wanderungen, für jeden Tag ein neues Highlight!

Am 1. Tag ging es zum Ochsenkopf, steil hinauf auf steinigen Bergpfaden. Unterwegs fragte eine junge Urlauberin nach dem Lift und wunderte sich über uns, wie man "so was" zu Fuß gehen könne. Oben angekommen genossen wir alle die Aussicht, hörten dem Wind zu und fühlten ihn in unseren Haaren. Es roch nach frischem Tannengrün und feuchter Erde. Nach einem Abstecher zur Weißmainquelle, wo der Main seinen Anfang nimmt, kehrten wir in Karches ein und schmeckten, wie köstlich kaltes Bier oder Kaffee mit Sahnetorte nach dem Marsch mundet.

Tags darauf fuhren wir zum Waldstein und wanderten über die Saalequelle zur Torfmoorhölle. Alte Sagen begleiteten unseren Weg. Bei der Einkehr in der Torfmoorhölle entdeckten wir die Entschleunigung: Glücklich diejenigen, die eine Brotzeit mitgenommen hatten und nicht zwei Stunden aufs Essen warten mussten! Auch die Quelle eines weiteren wichtigen Flusses, der im Fichtelgebirge entspringt, beehrten wir mit unserem Besuch, die Eger. Da die Quelle sehr nahe bei einer Straße liegt, strömte plötzlich eine Busladung voller Touristen in die Waldesruhe. Wir dagegen kehrten lieber zurück auf den schmalen Pfad, der sich neben und hin und her über die Eger erstreckt: Stein- und Schnaufwege nannte sie Christina, oder wahlweise Wurzel- und Schnaufwege.

Die Wanderung durch das Felsenlabyrinth Luisenburg bei Wunsiedel am nächsten Tag war der absolute Höhepunkt. In der Klassifizierung der Wanderwege ist dieser durchaus als schwer einzustufen und nicht viele Sehende möchte ich dort hindurchführen! Treppen und Steine, über die man klettern musste, versperrten den Weg. Ja, es gab sogar Steine, unter denen man hindurchkriechen musste! Großen Eindruck auf eine Jugendgruppe machten dort auch die beiden Führhunde, die uns begleiteten. Sie durften auf allen Touren vor allem Hund sein und vor allem Cowboy war kein Schlammloch zu braun oder zu aromatisiert, um seinen hellen Teint zu tönen und zu parfümieren. Nach dem Felsenlabyrinth hatten wir nicht etwa genug, sondern folgten einem weiteren Stein- und Schnaufweg zur Kösseine. Bevor wir den Rückweg antraten, gab es dort eine kräftige Jause.

Der Schneeberg, der höchste Berg im Fichtelgebirge, war das Ziel des nächsten Tages. Der klotzige Turm der ehemaligen Streitkräfte ist ein Mahnmal an den kalten Krieg. Militärische Bauwerke prägen das Bild. Frostig pfiff der Wind um unsere Ohren und trieb Wolken vor sich her. Doch wir hatten immer Glück mit dem Wetter, nur tropfenweise wurden wir manchmal nass. Der Gipfelbereich und der Weg über Nusshardt zum Seehaus besteht aus einem Granitblockmeer, durch das es zu klettern galt, in gewohnter Weise neben- oder hintereinander, und auf jeden Fall miteinander. "Pfui ..., wie kann man nur so was mit geschlossenen Augen machen!" bemerkte eine Wanderin sehr unqualifiziert, der wir begegneten. Aber wir waren wirklich eine tolle Gruppe, die auch noch unterstützt wurde von vier ehrenamtlichen Helfern aus Bischofsgrün, die Tag für Tag uns bei den Touren begleiteten und denen ich nochmals ganz herzlich danken möchte.

Die letzte große Tour führte mit dem Bus ins einst vornehme Kurbad Bad Berneck, dessen ehemalige Nobelhotels auf einen Märchenprinzen oder besser Investor warten, dann durchs Ölschnitztal, wo das Wasser munter unter uns plätscherte und die Hunde zum Entenjagen verleitete, über Schweinsbach zurück nach Bischofsgrün. Nicht besonders schwierig zu gehen, dafür um so länger war diese Strecke. Christinas Kommentar dazu: Das ist ohnehin die letzte große Wanderung der Reise, jetzt will ich es genau wissen, ob ich das schaffe, auch wenn ich morgen dann kaputt bin, sprach's und eilte als erste über die gedachte Ziellinie am Hotel.

Den letzten Tag dieser tollen und erlebnisreichen Woche ließen wir gemütlich angehen, eine Führung zu den wichtigsten Punkten von Bischofsgrün, sehr anschaulich erklärt von einem Ortskundigen, nachmittags nochmals ein 5 km Spaziergang zum Kaffeetrinken (und zurück, versteht sich). Auf dem Rückweg unter der Sommerskischanze hindurch, die den Forstweg überbrückt - fffffffft, schschsch, ..., plopp - fuhren die Sportler über uns hinweg.

Es versteht sich von selbst, dass die tolle Gruppe in dem heimeligen Gasthaus bei leckeren Speisen abends noch lange zusammen saß, klönte, scherzte und sang. Beim Abschied versprachen alle, miteinander in Kontakt zu bleiben und wenn möglich, so eine schöne Freizeit zu wiederholen!

Christina (bind) und Monika (sehend)