zur Navigation Inhalt überspringen Bergwandern in St. Martin am Tennengebirge / Salzburg - 2009

Für diesen Bericht habe ich mir vorgenommen, auch die kleinen Missgeschicke und besonders witzigen Begebenheiten aufzuschreiben, da es die sind, die uns so menschlich und sympathisch machen.

Begonnen hat es mit einer kleinen Panne! Bei der Abholung am Bahnhof Bischofshofen, als wir das Gepäck in den Kleinbus verladen hatten, verkündete Franz, unser Gruppenleiter, mit verzweifelter Stimme, dass das Auto nicht anspringt. Nach einigen Minuten wurde er dann dankenswerter Weise von einer jungen Frau auf die Lenkradsperre aufmerksam gemacht. Nun konnte es losgehen!

Am Sonntag führte uns die "Eingehtour", bei der heuer niemand eingegangen ist, auf den Frommerkogel. Meine Tochter Julia (14), die unfreiwillig hatte mitkommen müssen, war zu diesem Zeitpunkt noch eher reserviert, da sie ja niemanden kannte und das Wandern als etwas äußerst Langweiliges empfand. Im Laufe der Woche hat sich das gründlich geändert! Sie entwickelte einen Ehrgeiz, als Erste am Gipfel zu sein.

Unsere zweite Tour starteten wir beim Sattlerbauern in Flachau. Über die Lackenalm wanderten wir auf den Lackenkogel. Zu meiner Schmach muss ich gestehen, dass ich diesmal langsamer als Oma Anna (77) war, was mir Julia, die diesmal die erste beim Gipfelkreuz war, genüsslich unter die Nase rieb.

Am Dienstag erstiegen wir das Hochgründeck, auf manchen Wegweisern auch HOCHGRINDECK genannt. Grindig war es überhaupt nicht, sondern sehr schön.
Wir kehrten auf der ökologischsten Berghütte Europas ein und besichtigten eine vom Hüttenwirt selbst erbaute Kirche.
Beim Gipfelkreuz ließen wir uns kurz nieder. Dort fragte ich Lutz: "Was ist 6?", was zur allgemeinen Belustigung beitrug und hier nicht verschwiegen werden soll.
Die kleinere Tour für die schwächeren Geher führte auf den Sonntagskogel.

Der Mittwoch führte uns von Russbach über die Rinnbergalm und die Angerkaralm auf das Gamsfeld. Besonders herzig fand ich die Schafe, die unter dem Gipfel weideten und sich gerne streicheln ließen. Meine Hündin Lilli, von Martin mit Vorliebe "Fiffi" gerufen, wich ängstlich vor den zutraulichen Tieren zurück.
Mit 970 Höhenmetern war das unsere anspruchsvollste Tour.
Am Rückweg kehrten wir bei der Rinnbergalm ein - ein kulinarisches Erlebnis der Extraklasse! Noch nie habe ich irgendwo so eine Käseplatte bekommen! Ein halber Leib Käse, ganze Schüsseln voll verschiedener Käsesorten und Brot in unbegrenzter Menge wurden serviert. Jeder, der wollte, aß einfach mit, so viel er wollte.

Petras "Hausfrauentour" bildete am Donnerstag einen ganz besonderen Höhepunkt. Wir marschierten von Schattbachwinkel auf den Gerzkopf. Besonders schön war es, schweigend durch den Wald zu wandern. Da konnte man fast vergessen, dass wir eine große Gruppe waren. Zwischenstation machten wir auf der Schäferhütte bei einem Aussteiger. Er erzählte uns von seinem Leben in der Natur und wie gut es ihm gefällt. In meine Bewunderung mischten sich allerdings gewisse Zweifel an der Idylle, da die zahnärztliche Versorgung in der Abgeschiedenheit offensichtlich nicht so 100%ig klappt.

Am Freitag, zum Abschluss, fuhren wir zur Oberhofalm in Filzmoos. Dort trennten sich die Gruppen. Diesmal war ich bei der kleineren Tour, da ich ein Gewitter fürchtete. Die größere Tour, an der Julia, mittlerweile selbstverständlich, teilnahm, führte über den Almsee und das Winterfeld auf die Hofpürglhütte und wieder zurück. Die "schwächeren" Wanderer erklommen den Sulzenhals und die Sulzenschneid. Es trat der paradoxe Fall ein, dass diesmal die kleine Tour etwas mehr Höhenmeter als die große hatte! Das Wetter meinte es auch diesmal - wie überhaupt die ganze Woche - wieder gut mit uns, und das Gewitter kam erst, als wir längst in St. Martin waren.
Besonders erwähnenswert ist an diesem Tag die unglaubliche Demonstration von wahrer Nächstenliebe, die Riki geliefert hat! Ev war durch den Anstieg ins Schwitzen gekommen und verlangte lautstark die Unterhose ihres 17jährigen Sohnes, die sie sich als Kurze anziehen wollte. Simon, der Schlingel, wollte aber nichts vom Unterhosentausch mit seiner Mutter wissen. Nicht so Riki! Beherzt schlüpfte sie aus ihrer Kurzen, gab sie Ev und erklomm in der Unterhose den Gipfel.

Die ganze Woche über war die Stimmung recht ausgelassen. Martin und Franz trugen mit ihrem Humor wesentlich dazu bei.
Am Abreisetag regnete es, was uns den Abschied etwas erleichterte.
Julia und ich haben vor, nächstes Jahr wieder an der Woche teilzunehmen, was vor allem bei Julia viel heißt!

Monika Weinrichter


Gosaukamm-Umwanderung

Am 23. und 24. Juli 2009, nach der Bergwanderwoche in St. Martin, umwanderten wir, eine Gruppe von 7 Blinden und Sehbehinderten sowie 15 Sehenden, gemeinsam den Gosaukamm. Wir machten uns am ersten Tag im Morgengrauen von den Hofalmen aus auf den Weg. Nach dem Frühstück auf der Hofpürgelhütte ging es mit frischen Kräften auf Bergpfaden mit alpinem Charakter über den Steiglpass. Von dort nahm ein Teil der Gruppe den direkten Weg zum Tagesziel, der Theodor-Körner-Hütte. Die übrigen Teilnehmer stiegen über einen rutschigen und wurzeligen Waldweg hinunter zum Gosausee und stiegen auf einem teilweise sehr ausgesetzten Pfad wieder zur Hütte auf. Nach durchschnittlich 10 Stunden reiner Gehzeit waren wir alle froh, dass wir uns in der gemütlichen Körner-Hütte entspannen durften und das reichliche und leckere Abendessen genießen konnten. Die Übernachtung in dem gepflegten Matratzenlager war vor allem für diejenigen eine besondere Erfahrung, die erstmals in einer Berghütte übernachteten.
Am nächsten Morgen ging es im ersten Sonnenlicht weiter über einen kaminartigen, steilen Anstieg zur Sulzkaralm. Bald darauf schloss sich der Kreis, wir stiegen zum Ausgangspunkt ab. Alle erreichten gesund und munter das Ziel und freuten sich, die lange und anspruchsvolle Bergwanderung erfolgreich bei traumhaftem Wetter bewältigt zu haben.

Rainer K., blind